Dorfhistorie

Dambroich – ein Dorf im Pleistal – Ursprung und Entwicklung

von Rudi Kaufmann

Der Ursprung des Ortes Dambroich, oder die erste Wohnanlage die letzten Endes zur Gründung des Ortes führten, ist nicht mit letzter Sicherheit zu ermitteln.

Offen ist ob Dambroich im Zuge der Landnahme von der Höhe im Osten, also von Söven und Rott her gegründet wurde. Besonders die alten Wegeverbindungen lassen diesen Schluss zu. Auch die Zugehörigkeit zur ehemaligen Honschaft Söven sprechen dafür. Eine andere Möglichkeit der Gründung ist die gezielte Siedlungstätigkeit der Zisterzienser-Mönche des Kloster Heisterbach, die im Zusammenhang mit einer Kultivierung des Pleistals stehen.

Es ist anzunehmen dass die Keimzelle des Dorfes ein Gebäude in der Nähe des Pleisbaches war, wohl die eines Grundherrn. Es dürfte sich um ein steinernes Burghaus gehandelt haben, 1718 ist von einer Einwohnerin „auf der burch in Dambroich“ die Rede.

Der Siedlungsname Dambroich dürfte von der Waldbezeichnung (Alden-Jungen) Dagenburg abgeleitet sein, und aus dem Personennamen Dago und dem Wort „broich“ für Sumpfland gebildet sein.

Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung Dambroich (Doembroch) ist 1359. Der Ursprung der Ansiedlung muss allerdings viel älter sein.

In einer Urkunde aus dem Jahre 1144, unterzeichnet von König Konrad III, in der es um Rechte und Besitzansprüche geht, wird die Zehntpflicht im Wald Aldendagenburg und Jungendagenburg am westlichen Ufer des Pleisbaches gegenüber dem Stifte Vilich bekräftigt.

Wann die Burg erbaut und wann sie zerstört wurde bleibt ungewiss, allerdings gibt es einen Hiweis, dass sie 1640 schon nicht mehr bestand. Sie soll im Dreißigjährigen Krieg in Brand geschossen worden sein. Die Ruinen stürzten in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts zusammen.

Die Nennung des Dorfes Dambroich in späteren Urkunden ist jeweils verbunden mit Persönlichkeiten aus dem Ort oder dem nahen Umfeld.

So übernahm eine Familie den Dorfnamen als Familiennamen und bekleidetet im 16. und 17. Jahrhundert über 100 Jahre lang hohe weltliche Posten.

Ab 1581 tauchen in Urkunden immer wieder Personen aus dieser Familie auf, so auch ein Johann Dambroch, der als „Kurkölnischer Kammerrat und Zöllner“ zu Bonn auftritt, und von dem berichtet wird, dass er Güter in Dambroich, Birlinghoven, Rauschendorf, Stieldorf, Ölinghoven, Wellesberg, Hommerich und anderen Dörfern des Amtes Blankenberg besitzt.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts berichten die Urkunden von einem Dr. jur. Peter Dambroch „Ihrer Kurfürstlichen Durchlaucht zu Köln und Bürgermeister von Bonn“ Besitzer des Rittersitzes zu Lanzenbach. Er wird als Erbe des Heinrich Dambroch und des Johann Dambroch bezeichnet.

Ab dem 18 Jahrhundert wird allerdings der Familienname Dambroch in keiner weiteren Urkunde erwähnt, und der Name ist womöglich wegen fehlenden männlichen Nachfolgern ausgestorben.

Doch nicht nur diese Dambroicher Familie erlebt einen Aufstieg in die Welt einer strengen hierarchischen Ordnung.

Johann Hillesheim wird 1642 zum Rentmeister und Schultheiß des Amtes Blankenberg im Herzogtum Berg bestellt. Der Sitz der Rentmeisterei Blankenberg befand sich von 1642 bis 1645 an seinem Wohnsitz in Dambroich. Hier starb er am 16. Dezember 1665.

Johann Hillesheim muss ein reicher, aber auch hilfsbereiter und gütiger Mensch gewesen sein. Kurz vor seinem Tode bestimmte er in seinem Testament vom 13. April 1665 zahlreiche Stiftungen, unter anderem für die Hilfebedürftigen in Dambroich. Er wurde wunschgemäß in der Pfarrkirche in Geistingen vor dem von ihm errichteten Katharinenaltar beigesetzt.

Sein Nachfolger Heinrich Kirberg hatte ebenfalls seinen Wohnsitz in Dambroich und muss dort auch verwurzelt gewesen sein. Dieses zeigen Eintragungen im Taufbuch von St. Michael Geistingen.

An seinem ehemaligen Wohnsitz in Dambroich, an der alten Wegeverbindung zur Pfarrkirche St. Michael in Geistingen, (jetzt an der Straße „Zum Haus Ölgarten“) steht nach über 300 Jahren noch immer ein von Heinrich Kirberg im Jahre 1695 gestiftetes Wegekreuz. Dieses aufwändig gestaltete barocke, aus einem Stück geschlagene Gedenkreuz mit Christuskorpus aus Stenzelberger Latit, ist in dieser Form in Hennef einmalig.

Wegekreuz "Zum Haus Ölgarten 28"
Wegekreuz “Zum Haus Ölgarten 28”
Inschrift des Wegekreuzes "Zum Haus Ölgarten 28"
Inschrift des Wegekreuzes “Zum Haus Ölgarten 28”: DER HOCHEDEL UNDT HOCHFÜHRNEHMER HERR H HEINRICH KIRBERGH GENANT HAEN IHRER CHURFÜRSTL DURCHL ZUR PFALZ GEWESENER RENTMEISTER AMBTS BLANKENBERG HAT DIESES CREUTZ ZU GOTTES EHREN HIE HIEN ZU SETZEN VERORDTNET AO 1695 DEN 4 JAN

Doch auch der nächste Rentmeister des Amtes Blankenberg war ein Dambroicher Bürger: Herr Gottfried Lauterbach, in Urkunden auch als Schultheiß von Stieldorf bezeichnet, er starb in Dambroich am 22. November 1749. Es ist anzunehmen, dass es bei den genannten Dambroicher Rentmeistern verwandtschaftliche Zusammenhänge gab. Die beiden zuletzt genannten wurden im gleichen Familiengrab in der Geistinger Kirche beigesetzt.

In der Landesaufnahme „Topographia Ducatus Montani“, erstellt 1715 von dem Kartographen Philipp Ploenies, wird Dambroich als unbedeutender Weiler dargestellt. In dieser Karte gibt es drei Wegeverbindungen, ein Weg führt durch den Siegburger Wald nach Siegburg, ein anderer nach Geistingen, und ein dritter nach Stieldorf, wobei der Pleisbach durch ein Furt überwunden wird.

Es bleibt rätselhaft, warum die „hohen Herren“ der damaligen Zeit ihren Wohnsitz in Dambroich behielten, da es sicher attraktivere Wohnplätze gab.

Neben diesen Persönlichkeiten, die den Aufstieg in die Oberschicht der damaligen Gesellschaft wie auch immer schafften, gab es für die meisten Einwohner des Dorfes ein sehr bescheidendes Leben.

Sehr anschaulich ist dies in den Waldbüchern der Aldendagenburg und Jungendagenburg, auch als „Domischer Busch“ bezeichnet, dargestellt.

Die Erträge des Waldes kamen in erster Linie dem Stift Vilich und dem Landesherrn zu Gute, die nach Gutdünken ihren Bedarf aus dem Walde holen konnten. Für die einfachen Leute war dagegen genau geregelt, wie viel gefallenes trockenes Holz, oder Laub und Streu für das Vieh nach Hause getragen werden durfte. Die Waldbücher sind ab 1144 belegt und wurden des öfteren neu verfasst, bedingt durch neue Besitzverhältnisse, oder weil das alte Waldbuch in den Kriegswirren verloren ging.

Das Original-Waldbuch von 1663, in Schweinsleder gebunden und 88 Seiten stark, befindet sich als archivalische Kostbarkeit im Stadtarchiv Siegburg.

Waldtbuch_1663
Waldtbuch von 1663

Verneuvertes Waldtbuechs des Jungen Dambrochs so Dergestalt In Martio et Aprili 1663 citatis citandis et vocatis vocandis. auffgesetzt und am 9. ten May 1664 bey dem Nidder-Pleiß, gehaltenem Waldtgeding, öffentlich abgelesen worden.“

In heutiges Deutsch übersetzt: „Neugeschriebenes Waldbuch für den Bereich Dambroich. Erstellt im März und April 1663, nachdem die Berechtigten zum Erscheinen aufgefordert und gehört worden sind. Die Rechte und Ansprüche wurden neu festgelegt, und bei einer öffentlichen Versammlung am 9. Mai 1664 auf Burg Niederpleis beschlossen.“

In dieser Zeit lebten die Bewohner des Weilers Dambroich in erster Linie von Ihren kärglichen landwirtschaftlichen Erträgen, was zudem schwere körperliche Arbeit bedeutete. Die Kindersterblichkeit war sehr hoch. Dieses ist im Sterberegister der Pfarre St. Michael in Geistingen, zu der Dambroich gehörte, dokumentiert. Nicht einmal jedes dritte Kind erreichte das dritte Lebensjahr. Dazu beigetragen haben sicher die mangelnden hygienischen Verhältnisse sowie die praktisch für die arme Landbevölkerung nicht existierende ärztliche Versorgung.

Die wirtschaftliche Situation verbesserte sich für die Dambroicher etwas im beginnenden 18. Jahrhundert. Neben der Landwirtschaft fanden sie als Tagelöhner einen Nebenerwerb durch den Abbau von Ton im unteren Pleistal. Dazu wurde 1759 im Geistinger Wald im Bergwerk „Johann Georg“ eine holzartige Steinkohle für mehrere Jahrzehnte abgebaut. Trotzdem waren die Lebensverhältnisse oft von großer Armut und Hungersnot geprägt, die nur ein bescheidenes Leben ermöglichte.

Im beginnenden 19. Jahrhundert gab es im Rheinland, und auch für die Dambroicher, große gesellschaftliche und politische Umbrüche, welche in der Bevölkerung auch als „Franzosenzeit“ bezeichnet wurde. Ausgelöst durch die französische Revolution in 1789, und der Kriegserklärung Frankreich an Österreich, besetzte die französische Revolution-Armee 1794 die linksrheinischen Gebiete, und rückten 1795 auf die Gebiete der heutigen Stadt Hennef vor. Hier kam es zu heftigen Kämpfen mit der österreichischen, und mit der Armee des verbündeten Königreichs Preußen. Alte Strukturen wurden durch die Franzosen aufgelöst, in deren Verlauf kirchliche Ordnungsmacht durch amtliche Ordnungsmacht ersetzt wurde. Die Säkularisation wurde im Erzbistum Köln 1803 angeordnet, wodurch die Kirchen und Klöster viele ihrer Besitztümer verloren. Dem Herzogtum Berg, zu dem auch Dambroich gehörte, wurden 1806 weitere Territorien zugeschlagen und so zum Großherzogtum Berg. Es wurde praktisch ein französischer Satellitenstaat des Kaiserreichs Frankreich, die Amtssprachen waren Deutsch und Französisch. Es gab gewaltige Veränderungen, die Dambroicher mussten nun alle Familienereignisse wie Geburten, und Sterbefälle zusätzlich dem Bürgermeister in Hennef melden, Hochzeiten wurden auf dem Standesamt vollzogen, und alle diese Ereignisse wurden in Personenregistern eingetragen, vorher wurden diese Ereignisse lediglich in Kirchenbüchern notiert.

Es waren für die Dambroicher unruhige Zeiten, besonders ab 1813 nach der Völkerschlacht bei Leipzig. Die geschlagenen Armeen Napoleons zogen durch unsere Gegend westwärts. Aber nicht nur die sich zurückziehenden Franzosen bedrängten die Dambroicher, auch die nachrückenden Heere der Russen, Preußen, und Österreicher, die Napoleons Armeen verfolgten, richteten viel Schaden an, es kam zu Plünderungen, die nicht allein auf Lebensmittel beschränkt blieben.

Bewohner von Dambroich sowie der umliegenden Dörfer, angeführt von den Rauschendorfern, schlossen sich zusammen und bildeten einen freiwilligen Landsturm Siebengebirge, um ihre Dörfer vor den Überfällen zu schützen.

Doch auch nach dem Abzug Napoleons und der neuen Zugehörigkeit zu Preußen, hinterließen die Franzosen viele französische Elemente in den Verwaltungen sowie sprachliche Einflüsse, die in unserer Mundart immer noch vorhanden sind.

In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde östlich des Dorfes Dambroich ein eisenerzhaltiges Mineral, sogenanntes Toneisenstein gefunden, welches oberflächennah abgebaut werden konnte. Die Förderung der reichhaltigen Toneisensteinlager in der Grube genannt „Gottessegen“ begann etwa Mitte des 19 Jahrhundert. In den Statistiken des Berg- und Hüttenwesen des Preußischen Staates wird in 1853 erstmalig die Fördermenge von Toneisenstein aus der Grube Gottessegen in Dambroich aufgeführt und mit 7137 Tonnen bezeichnet. Die Fördermengen gingen aber in den folgenden Jahren stetig zurück, der letzte Eintrag aus dem Jahre 1882 weist lediglich noch eine Fördermenge in der Grube Gottessegen von 452 Tonnen auf, sodass im Jahre 1882 die Förderung ganz eingestellt wurde. Zum Abtransport wurde das Gestein auf Pferdekarren verladen, die Gespanne fuhren bis nach Menden, und dort über eine Ponte (Fähre) über die Sieg zur Weiterverarbeitung nach Friedrich-Wilhelms-Hütte. Später wurde eine Pferdeschienenbahn gebaut die direkt von der Grube in Dambroich bis Panneschopp (jetzt Ortsteil von St. Augustin-Niederpleis) führte, um den Toneisenstein dort hin zu befördern. Der Verlauf der Pferdeschienenbahntrasse war etwa parallel zur Bröltalbahntrasse, wo heute die ICE – Neubaustrecke liegt. Das Erz wurde dort dann auf hütteneigene Pferdefuhrwerke wieder umgeladen und zur Weiterverarbeitung nach Friedrich-Wilhelms-Hütte gebracht. Zahlreiche Relikte aus diese Zeit, wie Abraumhalden, Siefen, Vertiefungen von eingestürzten Stollen, sowie die Reste des Pferdeschienen-Bahndamms, sind immer noch vorhanden.

Wenngleich in erster Linie die landwirtschaftlichen Erträge in den kleinbäuerlichen Höfen weiterhin die Grundsicherung fürs tägliche Lebens waren, gab der Abbau des Toneisenstein in diesen Jahren den Dambroichern die Möglichkeit, als Tagelöhner in der Grube Gottessegen zu arbeiten. Dieses bot den Dorfbewohnern neue Einkünfte und die Möglichkeit, am wirtschaftlichen Aufstieg im Zuge der allgemeinen Industrialisierung teilzuhaben.

Der wirtschaftliche Aufschwung bewirkte, dass die Bevölkerung von Dambroich in dieser Zeit stetig wuchs. Auf einer Handzeichnung des Urkatasters, vermessen durch den Geometer Peter Eich, aus dem Jahr 1826 sind schon 31 Häuser und Hofanlagen eingezeichnet.

Diese Karte aus 1826 zeigt zudem Details, welche Veränderungen im Laufe der letzten 200 Jahre das Dorf erlebte. Der Pleisbach floss in einer Schleife unmittelbar vor den Häusern (jetzt Pleistalstraße Nr. 52 bis Nr. 64) entlang. Vor dem Gehöft Hausmann befand sich eine Wasserstauanlage. Das Wasser aus dieser Anlage wurde genutzt, um über ein Wasserrad den Antrieb einer Transmission zu betreiben. Die heutige Pleistalstraße und die Straße „Zum Haus Ölgarten“ sind noch weitgehend identisch, weitere Straßen waren allerdings 1826 noch nicht vorhanden.

Karte_1826
Karte von 1826

Das Wachsen der Einwohnerzahl schuf neue Herausforderungen. Der Dorfbrunnen, gelegen an der Einmündung „Zum Haus Ölgarten“ auf die Pleistalstraße, konnte nur noch bedingt das Dorf mit gutem Trinkwasser versorgen. Dazu verursachte verseuchtes Wasser aus dem Brunnen 1866 eine Cholera-Epidemie in Dambroich. In Einlösung eines Versprechen nach dieser überstandenen Cholera-Epidemie wurde 1869 von den Bewohnern des Dorfes ein Denkmal errichtet, auch in der Hoffnung in Zukunft von Epidemien verschont zu bleiben.

Ehrenmal an der Kreuzung Pleistalstraße/Auf den Hähnen
Ehrenmal an der Kreuzung Pleistalstraße/Auf den Hähnen (Aufnahme aus 1958)

Der fallende Christus aus Sandstein steht auf einem rechteckigen Unterbau mit folgender Inschrift:

Im Kreuz ist Heil !
Gestiftet zu Ehre des bitteren Leidens und
Sterbens unseres Herrn Jesus Christus
von den Einwohnern des Dorfes Dambroich
am h. Pfingstfeste 1869

Nachträglich wurde 1952 durch die Dorfbewohner das Denkmal durch seitliche Gedenkstelen mit den Namen der Gefallenen und Vermissten des Dorfes der beiden Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945 ergänzt.

In der zweite Hälfte des 19 Jahrhundert verbesserten sich die Lebensbedingungen der Dambroicher weiter in vielen Bereichen. Der weite Fußmarsch an Sonn- und Feiertagen zum Gottesdienst in die Pfarrkirche Sankt Michael in Geistingen entfiel ab Mai 1866, Rott wurde zur Pfarre erhoben, wodurch sich die Wegstrecke zur sonntäglichen Messe mehr als halbierte.

Die Möglichkeiten der Schulbildung für Kinder aus den Arbeiter und kleinbäuerlichen Familien verbesserten sich. In Rott wurde 1861 eine Dorfschule eingerichtet, die auch für die Dambroicher Kinder zuständig war. Dieses beendete die Zeiten, in denen nur Kinder aus wohlhabenden Familien Zugang zur Bildung hatten.

Auf den Dörfern, so auch in Dambroich bildeten sich Vereine, die die Erhaltung und Förderung von Tradition und patriotischer Heimatliebe, aber auch Frohsinn vertraten. In Dambroich gründeten 1873 die jungen Männer des Dorfes einen Junggesellenverein mit Namen „ Junggesellenverein Frohsinn Dambroich“.

Gastwirtschaft Mueller 1901
Die Gaststätte von Christian Müller, der Ort wo sich nicht nur die Dorfjugend traf, auch für alle anderen Dambroicher wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt (Aufnahme aus 1901).

Eine weitere Verbesserung war der Bau der Schmalspurbahn durch das Pleistal. Am 19. Oktober 1890 genehmigte die preußische Bezirksregierung im Namen von Kaiser Wilhelm der Bröltal-Bahn AG den Bau der Schmalspurbahntrasse von Niederpleis nach Oberpleis. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde die Strecke am 7. Mai 1893 feierlich in Betrieb genommen.

Auf der Strecke Niederpleis – Oberpleis gab es lediglich die Haltestellen Birlinghoven, Dambroich und Uthweiler. In Birlinghoven und Uthweiler gab es kleine Bahnhöfe, in Dambroich lediglich eine Unterstellmöglichkeit. Die Geschwindigkeit des „Bröltalbähnche“ war so gering, dass es für die jungen Leute kein Problem war auch auf der Strecke auf- oder abzuspringen.

Broeltalbahn
Bröltalbahn (Aufnahmedatum unbekannt)

Auf alten Flurkarten aus dem 19 Jahrhundert ist ersichtlich, dass die Wegeverbindung durch das Pleistal lückenhaft war, dazu in einem schlechten Zustand. Durch den Bau der Schmalspurbahn war nun für damalige Verhältnisse und verglichen mit der vorherigen Situation das Pleistal recht gut erschlossen.

Die Bröltalbahn hatte ab 1869 ein Streckennetz von Beuel bis Waldbröl und von Siegburg bis Asbach ausgebaut, wobei Niederpleis der Knotenpunkt war. Nun konnten die Dambroicher bequemer in alle Richtungen fahren, so auch auf den Siegburger Wochenmarkt, um dort ihre landwirtschaftlichen Produkte zu verkaufen. Bis zum Bau der Bahn wurden die Waren meist durch die Frauen durch den Geistinger Wald auf dem Kopf zum Wochenmarkt transportiert.

Die eigenen Erzeugnisse aus Stall und Garten waren sicher noch Grundlage der täglichen Nahrungsversorgung im auslaufenden 19 Jahrhundert. Dazu ließen im Herbst die Dambroicher Kleinbauern ihr Getreide meist in der Uthweiler Mühle malen, das Mehl wurde zum Backen dann beim Dorfbäcker Heinrich Müller abgeliefert. Hier hatten die Familien ein Backbuch, in das die gebackenen Brote eingetragen wurden, Ende des Monats wurde der Backlohn bezahlt. Diese Praxis erhielt sich bis in die 50 Jahre des 20ten Jahrhunderts. In der Bäckerei Müller gab es zusätzlich den Verkauf von Colonialwaren, überwiegend Erzeugnisse, die aus den Kolonien importiert waren. Durch den Nebenerwerb, der etwas Geld einbrachte, bestand nun für viele die Möglichkeit, sich im Dorf mit diesen Waren zu versorgen.

BaeckereiMueller_1901
Kaufhaus und Maschinebäckerei von Heinrich Müller (Postkarte von 1901)

Die maschinellen Fortschritte machten auch im Bäckerhandwerk im auslaufenden 19. Jahrhundert nicht halt. Wie auf dieser Postkarte aus 1901 zu sehen, wird hier auf vorhandene Maschinen in der Backstube hingewiesen.

Neben der Bäckerei gab es allerdings in einigen kleinbäuerlichen Höfen ein Backes, wo meistens einmal wöchentlich Brot gebacken wurde, oft in nachbarlicher Gemeinschaft.

Im beginnenden 20. Jahrhundert erleichterte die rasante Industrialisierung den Dambroicher Alltag. Hennef war eine der Hochburgen für die landwirtschaftliche Maschinenproduktion, es war naheliegend dass in den umliegenden Dörfern schon früh diese Hilfen in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Doch oft waren nur größere Höfe in der Lage, sich diese landwirtschaftlichen Maschinen anzuschaffen.

Es waren allerdings auch notgedrungen nachbarschaftliche Verflechtungen vorhanden, bei denen kleinbäuerliche Betriebe sich diese Maschinen beim Nachbarn borgen konnten.